Das wilde Meer

Das wilde Meer

Von Augrabies sind wir wegen der Hitze geflohen – am Abreisetag zeigte das Thermometer 51 Grad. Noch nie – außer in der Sauna – haben wir solche Temperaturen aushalten müssen. Auch für die Südafrikaner ist das nicht normal, jeder, mit dem wir uns unterhalten haben, hat gestöhnt, wie heiss es ist.

Das Meer im Westen verspricht deutliche Abkühlung. Der eiskalte Benguela-Strom bringt die Wassermassen vom Südpol und schiebt sie nordwärts an der afrikanischen Küste entlang. Schon in rund 100 Kilometern Entfernung waren es moderate 35 Grad, und je näher wir kamen, umso weiter fiel das Thermometer. Am Atlantik erwarteten uns dann Wolken und 18 Grad – wir witzelten schon, ob wir jetzt die Winterjacken und dicken Socken auspacken müssen.

In Hondeklipbaai – der Hundefelsenbucht – sind wir dann drei Tage hängengeblieben. Unglaublich, wie das Auto die Hitze gespeichert hatte, alles was wir nach zwei Tagen aus den Proviant-Kisten oder Staufächern herausholten, war warm. Hondeklipbaai hat eine bewegte Geschichte hinter sich und lebt sie noch: Zuerst war der Ort ein Hafen für Kupfer, das in Springbock abgebaut wurde. Mit Ochsenwagen wurde das wertvolle Mineral über zwei Pässe transportiert, die auch für unser Zebra anstrengend waren. Doch schnell wurde der Transport unrentabel, das Kupfer wurde über andere Wege schneller und günstiger abtransportiert. Dann wurden hier Unmengen Langusten gefangen und auch verarbeitet. Durch Überfischung ging das Langusten-Vorkommen zurück und die Fisch-Fabriken zerfallen heute. Diamanten wurden gefunden, ein Investor baute eine Mine und ging erst vor kurzem bankrott – jetzt schürfen die Einwohner von Hondeklipbaai selbst in der Mine, niemand hält sie davon ab, und sie scheinen Diamanten zu finden, die sie in die eigene Tasche schieben. Der Name Hundefelsenbucht kommt übrigens von einem Felsen, der wie ein Hund ausschauen soll – entweder braucht man für diesen Eindruck jede Menge Bier, oder der Felsen wurde von der tosenden Brandung abgetragen. Letzteres erscheint uns wahrscheinlicher.

Nicht sehr einladend: Der städtische Campingplatz in Hondeklipbaai

Der Ort macht zunächst einen fürchterlich trostlosen Eindruck. Der kommunale Campground ist verfallen, viele der Häuser auch, die Wolken hängen tief und alles ist grau in grau. Doch nur wenige Meter weiter gibt es einen kleinen Campingplatz mit sechs Stellplätzen, sehr liebevoll angelegt, das Rauschen der Atlantik-Brandung dringt bis zu uns hinauf. Und langsam erschließt sich, dass er Ort selbst doch gar nicht so trostlos ist, wie der erste Eindruck vermitteln könnte.

Unsere einzigen Camping-Nachbarn sind Südafrikaner aus Bloemfontein, ein Ehepaar mit zwei sehr netten Söhnen im Alter von 13 und 15. Wir verbringen drei wunderbare Abende und Nächte, bevor wir weiterziehen.

Durch den Namaqua-Nationalpark führt eine abenteuerliche und nur mit Allradfahrzeugen zu bewältigende Strecke direkt am Atlantik Richtung Süden. Nach Regenfällen im August erstreckt sich hier eine endlose Blütenlandschaft – leider sind wir zu spät, nur noch vereinzelt blühen Sträuche und Büsche. Alleine die Vorstellung, wie sich die Blumen im September im Wind wiegen, ist schon der Wahnsinn. Eine Robben-Kolonie liegt direkt in unserem Weg, die Tiere sind so nah und wären wunderbar zu beobachten, aber der Gestank – schlimmer wie in einer Schweinezucht – treibt uns weiter. Wir übernachten absolut alleine in einem von der Nationalpark-Verwaltung hübsch angelegten Campground – eine Felsenmauer schützt vor Wind, eine Feuerstelle, ein Plumpsklo, mehr gibt es nicht, außer natürlich den mit starkem Getöse brandenden Atlantik.

Wenige Blüten lassen erahnen, wie schön es im Namaqua im September sein muss
Eine Robbenkolonie stinkt unvorstellbar

Auch der nächste Tag führt uns wieder ans Meer, nach Strandfontein, angeblich der „Perle der Westküste Südafrikas“. Ganz ehrlich: Hatten wir in Hondeklipbaai schon den Eindruck, dass dort der Hund begraben liegt, hier tut er es tatsächlich. Ein reiner Ferienort, der nur zu den südafrikanischen Sommerferien (also in wenigen Tagen) von Touristen überflutet wird – jetzt ist er leer. 95 Campingstellplätze und jede Menge Appartements warten auf den Ansturm zu Beginn der Ferien. Ansonsten gibt es genau ein Restaurant und einen kleinen Laden, in dem das Warensortiment über Mehl, Zucker, Eier, Duschgel und Brennholz nicht weit hinausgeht. Schon vor einem halben Jahr hatten wir hier ein Zimmer für drei Tage gebucht in der Annahme, dass wir nach drei Wochen in unserem Camper vielleicht zwischendrin froh über ein normales Bett wären. Immerhin gibt es hier eine halbwegs brauchbare Internet-Verbindung, ansonsten werden es erholsame, ruhige Tage bei maximal 20 Grad tagsüber, starkem Wind und heftigem Wellengetöse des aufgebrachten Atlantiks. Und trotzdem ist es wunderschön!

10 Kommentare

Heute Nacht hat der Wind gedreht. Von gestern maximal 20 Grad tagsüber kletterte das Thermometer auf jetzt 40 Grad… Trotz Atlantik ist es HEISS und der plötzliche Temperaturanstieg macht uns zu schaffen. Aber das ist alles Jammern auf hohem Niveau und natürlich schöner als -5 Grad daheim 😉
Liebe Grüße!

Liebe Heike,
Ich lese regelmässig und aufmerksam Eure tollen Berichte, sehr interessant. Und da wir Einiges ja selbst bereist haben, kommen auch Erinnerungen hoch. Ich verfolge Euch weiter😁.
Wir selbst sind ab 18. für 4 Wochen( lächerlich gegen Eure Zeitplanung) in Panama und Costa Rica unterwegs.
Liebe Grüße und weiterhin eine tolle Reise wünscht Nicole

Ach ja, Panama und Costa Rica wären auch was… Gerade sind wir in Kapstadt – eine tolle, quirlige, moderne Stadt, in der wir uns absolut sicher fühlen.
Schön, wenn Du uns auf unserer Reise weiter begleitest!
Liebe Grüße, Heike

Hallo Heike, verfolge euch aus Oberbayern. Ist schon interessant was das Leben in anderen Ländern für einen bereit hält. Wünsche euch weiterhin eine unfallfreie und gesunde Reise.

Ja, der Karavaan-Park ist auch alles andere als einladend…
Sind schon gespannt, wo wir uns das nächste Mal über den Weg laufen!
Liebe Grüße und gute Fahrt!

Hallo ihr zwei, das sieht alles super aus!!! Grüßt Kapstadt von mir, ich dufte da auch schon zwei Mal hin, es ist wunderbar! Und am liebsten würde ich direkt runter fliegen! Also FOTOS bitte 🙂 euch weiterhin eine gute Zeit! Liebe Grüße aus der Kälte, auch von den Jungs, Meike

Na dann pack die Jungs ein und ab nach Kapstadt! Daheim ist es eh nur kalt und ungemütlich… Wir ziehen heute weiter nach Franschhoek und probieren ein bisschen Wein 😉
Liebe Grüße!

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